CO2-Rechner.PRO Faktorenupdate
Die umfangreichsten Änderungen beim Faktoren-Update 2025/2026
Strom
Entwicklungen im Deutschen Netzmix:
Die Methode zur Ermittlung der Emissionsfaktoren des Netzmixes (location-based) wurde einer umfangreichen Überarbeitung unterzogen und mit methodischen Verfeinerungen zu grenzüberschreitenden Stromflüssen an die zukünftigen Anforderungen der GHG Scope 2 Guidance angepasst. Für die Bilanzierung an deutschen Standorten bedeutet dies eine Verringerung der Emissionen.
Die neue Methode wurde von einem unabhängigen Audit von GUTcert als gründlich, belastbar und in Übereinstimmung mit den Anforderungen des bestehenden und zukünftigen GHG Protocols validiert.
Detailliertere Informationen zur Prüfung und Details zur neuen Methode sowie den perspektivischen Anforderungen der Draft-Version der GHG-Scope 2 Guidance werden hier erläutert.
Wichtiger Hinweis: Die Faktoren des Netzmixes werden automatisch für die standortbasierte Bilanz (location based) verwendet. Bislang wurden sie ebenfalls als editierbare Vorbelegung für vertraglichen Graustrom (market-based) veranschlagt – hier wird ab dem Bilanzjahr 2025 erstmalig eine Unterscheidung getroffen: die Vorbelegung für den vertraglichen Emissionsfaktor orientiert sich weiterhin an den Vorgaben der Stromkennzeichnung (Informationen vom Lieferanten).
Deutscher Grünstrom:
Die Vorbelegung zur Bilanzierung von vertraglichem Grünstrom sinkt leicht ab.
Weiterhin raten wir dazu, auch Nicht-CO₂-Emissionen des Grünstroms in Scope 2 des vertraglichen Ansatzes individuell fallabhängig zu betrachten, da vor allem die Erzeugung von Strom aus Biomasse hier sehr starken Einfluss ausübt, was auch die systemseitige Vorbelegung der Vorkette betrifft.
Entwicklungen in internationalen Netzmixen:
Die KlimAktiv-eigene und GUTcert-validierte Methode für den Netzmix in Deutschland wurde konsistent für alle europäischen Länder vorgenommen, wobei sich der Einfluss der Nachbarländer auf den Strommix eines bestimmten Landes in der Wirkung wahlweise als Steigerung oder Verringerung bemerkbar macht. Obwohl für die internationalen Netzmixe bereits in den Vorjahren eine handelsbasierte Import-Export-Korrektur vorlag, erfährt das Faktorenset Europa durch diese Umstellung eine deutliche Verbesserung, da statt Handelsströmen reale physische Stromflüsse herangezogen werden können. Die Datengrundlage ist auf Basis der Echtzeitmessung deutlich aktueller, da langwierige Reportingfristen keine Hürde für die Vollständigkeit mehr darstellen.
Im außereuropäischen Ausland werden weiterhin handelsbasierte Korrekturen zu grenzüberschreitenden Stromflüssen vorgenommen, was ebenfalls im Zuge des GUTcert Audits als korrekt im Sinne des GHG Protocols validiert wurde.
Wichtiger Hinweis: In Ermangelung einer Regelung gemäß Stromkennzeichnung für vertragliche Stromprodukte außerhalb Deutschlands werden für die Vorbelegung des market-based Ansatz die Emissionsfaktoren des Netzmix für graue Stromprodukte im Ausland veranschlagt, analog zu den vergangenen Jahren.
Eigenerzeugung:
Bei der Erfassung von eigenerzeugtem Strom oder Solarthermie werden ab dem Bilanzjahr 2025 Anlagen in eigenem Besitz im Betrieb nicht mehr mit THG-Emissionen versehen (Emissionsintensität 0g/kWh) – sie sollten stattdessen als Kapitalgut im Jahr der Anschaffung erfasst werden. Trotzdem lohnt sich die Angabe der erzeugten Kilowattstunden im Thema Strom, da nur so die Vollständigkeit der Energieauswertung im Reporting gewährleistet werden kann.
Anfahrt und Mobilität
Höhere Auslastung und besserer Strommix führen zu Verbesserungen in den Emissionsfaktoren:
Ein deutlicher Anstieg in der E-Mobilität bei zunehmend grünerem Strommix verringert den allgemeinen PKW-Faktor signifikant.
Der öffentliche Personenverkehr profitiert von hohen Auslastungen sowie ebenfalls von einem grüneren Strommix, soweit es sich um elektrifizierte Fortbewegungsmittel handelt.
Beide oben genannte Effekte wirken sich als deutliche Verringerung auf die Anfahrtspauschale aus, hinzukommt außerdem, dass die durchschnittlichen Wegstrecken zum Arbeitsplatz kürzer werden, da bei längeren Anfahrten zunehmend auf das Homeoffice ausgewichen wird.
Die zunehmende Bedeutung von Homeofficetätigkeit führte zu einer besseren Quellenlage. Die darauß folgende Vereinheitlichung verzeichnet der Emissionsfaktor einen Anstieg, welcher sich technisch nicht außschließlich aus einer realen Verhaltensänderung ableitet.
Das Reisen mit Fernzügen innerhalb Europas hat eine grundlegende methodische Überarbeitung erfahren, da eine zunehmend gute Datenlage durch Reportingstandards der EU hier erstmals eine systematische Betrachtung mit einer KlimAktiv-eigenen Modellierung ermöglicht. Durch diese Aktualisierung sinkt die Fernzugpauschale für Europa drastisch.
Hinweis zu verbrauchsbasiert erfassten Kraftstoffen: wie auch in den Vorjahren handelt es sich bei den Kraftstofffaktoren weiterhin um Tankstellenmixe, das heißt, Bioanteile werden auf Basis statistischer Durchschnittswerte miteinbezogen. Dies macht sich vor allem beim Erdgas (CNG) bemerkbar, wo der mittlere Emissionsfaktor aufgrund von weiter steigenden Biogasanteilen an Tankstellen immer weiter sinkt.
Spend Based
Der durch uns entwickelte Datensatz mit ausgabenbasierten Emissionsfaktoren (GUTcert-zertifizierte Methodik) für den Einkauf von Güter- und Dienstleistungsgruppen aller Branchen wurde im Rahmen des regelmäßigen Updateprozesses angepasst, um die Preisentwicklungen der jüngsten Vergangenheit zu berücksichtigen.
Preissteigerungen führen zu einer Verringerung der Emissionsfaktoren. Dies beobachten wir insbesondere in den Kategorien:
- Transport und Logistik:
- Schifffahrt
- Post, Kuriersendungen, Landtransport
- Hoch und Tiefbau, Baustellenarbeiten
Insbesondere in der Schifffahrt sind mit den höheren Preisen jedoch auch reale Routenverlängerungen verbunden, somit könnte die inflationsbereinigte Berechnung nach Spend Based Faktoren die tatsächlichen Emissionen unterschätzen. Wie so oft gilt, dass nur ein Umstieg auf aktivitätsbasierte Eingaben die Bilanz präziser macht.
Im Sektor Energie sind Preise leicht gesunken, daher verzeichnen wir hier einen leichten Anstieg in den Spend Based Faktoren für folgende Kategorien:
- Elektrizitätsversorgung, Wärme- und Kälteversorgung
- Gewinnung von Erdöl, Erdgas und Kohlebergbau
Die umfangreichsten Änderungen beim Faktoren-Update 2024/2025 waren:
Logistik
Umstellung auf eine neue Datenquelle: die aktuellste Version des „GLEC Framework“ - ein harmonisiertes, multi-modales Logistik-Modell in Einklang mit der ISO 14083. Im Zuge der Umstellung bieten wir 7 neue Fahrzeugklassen im Warentransport an. Dazu generische Faktoren für den Straßentransport in verschiedenen Weltregionen.
Hinweis: beim Kopieren von Projekten ins Bilanzjahr 2024 können Logistikaktivitäten nicht übernommen werden, prüfen Sie Ihre Eingaben diesbezüglich auf Vollständigkeit.
Strom
- Verbesserter Berechnungsansatz zur genaueren Bestimmung von Nicht-CO2-Emissionen von Strom. Hinweis: Im Gegensatz zu Emissionen gemäß Stromkennzeichnung umfassen die Vorbelegungen im CO2-Rechner diese weiteren Treibhausgase im Einklang mit dem GHG-Protocol und fallen somit geringfügig höher aus als Werte auf Abrechnungen.
- Verfeinerte Modellierung von Emissionen aus EEG-geförderten sowie nicht-EEG-geförderten erneuerbaren Energien unter besonderer Berücksichtigung der Rolle von Biogas in der Stromerzeugung. Dies macht sich als leichter Anstieg der Scope 3 Emissionen bemerkbar.
- Neue statistische Grundlage zur Abschätzung der Netzverluste zieht eine leichte Erhöhung der Scope 3 Emissionen nach sich.
- In vielen (europäischen) Ländern ist die niedrigere Emissionsintensität primär darauf zurückzuführen, dass der Anteil regenerativer Energien am Erzeugungsmix gestiegen ist
- Auch Nuklearenergie hat maßgeblich zur Reduktion beigetragen (u.a. in Frankreich, Finnland und Bulgarien)
- Insbesondere Länder mit hoher Abhängigkeit von Stromimporten profitierten von der Energiewende der Nachbarstaaten
- In großen Teilen Asiens (u.a. China, Indien, Indonesien, Vietnam) war kein Rückgang der THG-Intensität des Netzmixes zu erkennen
Spend Based
Abfall
Hotelübernachtungen
Der generische Übernachtungsfaktor wurde mit einer neuen statistischen Gewichtungsmethode versehen, um noch besser den Aufenthalt in einem Hotel beliebiger Art und Klasse in einem unbekannten Reiseland abzubilden. Dieser globale Faktor ohne Differenzierung fällt entsprechend höher aus. Ergänzend bieten wir neue Erfassungsmöglichkeiten, um genauere Ergebnisse zu erzielen: Übernachtungen in 3 und 4 Sterne Hotels können separat erfasst werden und per Skalierung für eine Vielzahl an Reiseländern präzisiert werden. Eine detailliertere Eingabe führt so in den meisten Fällen zu sinkenden Emissionen gegenüber der globalen Abschätzung.
Nahrungsmittel/Verpflegung
Für eine aktualisierte Abschätzung der Emissionen aus Verpflegung (zum Beispiel im Kontext Kantine oder Catering) haben wir eine neue KlimAktiv-eigene Modellierung entwickelt, welche auf genauen Pro-Kopf-Verbräuchen aller Nahrungsmittelgruppen beruht. Grundlage sind statistische Daten der United Nations Food and Agriculture Organization. Die Zusammensetzung einer „Standard-Mahlzeit“ wird deutlich emissionsärmer. Gleichzeitig fallen bei einer Skalierungen für vegetarische oder vegane Verpflegung die verhältnismäßigen Reduktionen etwas geringer aus, da der Bezugswert der Mischkost bereits niedriger angesetzt ist.