Kick-off CO2-Rechner PRO in der Hessischen Landesvertretung in Berlin am 02.04.2014

Bild Pfaller: Von links nach rechts: Udo Sieverding, Verbraucherzentrale NRW; Dominik Seebach, Öko-Institut e. V.; Peter Westenberger, Deutsche Bahn AG Umweltzentrum; Guido Axmann, Thema 1 (Moderator); Sebastian Sladek, Elektrizitätswerke Schönau; Dr. Aleksandra Drewko, EHA Energie-Handels-Gesellschaft mbH & Co. KG

Guido Axmann von Thema 1 führte mit viel Kompetenz, Witz und Empathie durch die Veranstaltung. Immer wieder band er die Teilnehmer in die Diskussionen ein und sorgte für eine lebendige Veranstaltung. Bei der Podiumsdiskussion über die Bewertung von Grünstrom erreichte er einen Höhepunkt seiner Moderationskunst: Guido Axmann setzte seiner langjährige Expertise in diesem Handlungsfeld gekonnt ein, um die Diskutanten aus der Reserve zu locken, Kontroversen aufzuzeigen, aber diese auch wieder zusammenzubringen. Sein Zitat „Es ist so spannend, an dieser Stelle müssen wir einfach überziehen" spiegelte die Stimmung im Raum wieder.

 

 

Begrüßung und Einführung

Die Teilnehmer konnten sich glücklich schätzen: MinDirig Franzjosef Schafhausen, Abteilungsleiter Klimaschutzpolitik aus dem BMUB, einmal vor Ort, skizzierte ausführlich die „Großwetterlage" im Klimaschutz. Das Klimaschutzziel der Bundesregierung, die Dekarbonisierung des Wirtschaftsstandortes, sieht er zugleich als Chance und Herausforderung an, die Deutschland Unabhängigkeit und Fortschritt bringen wird.

Ziel: Weg vom Kohlenstoff

Das Ziel ist klar definiert: "weg vom Kohlenstoff in allen Bereichen der Gesellschaft." Die Bundesregierung senkt die Abhängigkeiten von Rohstoffen und Energieimporten, treibt damit Innovationen an und schafft Arbeitsplätze. Deutschland als systemrelevanter internationaler Akteur hat sich anspruchsvolle Klimaschutzziele sowie Maßstäbe für Monitoring gesetzt. Das Sofortprogramm der Bundesregierung zum Klimaschutz dient dazu, Lücken für das Erreichen seiner ambitionierten Minderungsziele zu schließen und in den Klimaschutzplan hinein zu wirken. Um das 2°C-Ziel zu erreichen, gilt es „die Ärmeln hoch zu krempeln", innerhalb der EU aber auch auf internationaler Ebene. Die Herausforderungen und Möglichkeiten, aber leider auch die Widerstände seien immens.

Bild Pfaller: MinDirig Franzjosef Schafhausen

Klimaschutz und CO2-Bilanzierung 

MinDirig Franzjosef Schafhausen unterstrich die Bedeutung des Klimaschutzes und der CO2-Bilanzierung für Unternehmen: „Was benötigt ein Entscheidungsträger im Unternehmen um beim Klimaschutz voranzugehen?" - „Informationen und Daten. Der CO2-Rechner PRO setzt bei diesem Punkt an. Dies ist der richtige Weg!" Die standardisierte CO2-Bilanzierung im System CO2-Rechner PRO bietet eine solide Basis um Treibhausgasemission zu erkennen, zu messen und zu überwachen (Monitoring), Reduktionspotenziale aufzudecken sowie Reduktionsmaßnahmen und Klimaschutzziele umzusetzen. Betriebliche Kennzahlen und Benchmarking liefern Unternehmen wichtige Werkzeuge für Marktanalysen und unterstützen die Priorisierung von Handlungsoptionen in der unternehmensspezifischen Klimaschutzstrategie. Das System CO2-Rechner PRO mit seiner Transparenz, der einfachen Bedienbarkeit und der wissenschaftlichen Fundierung unterstützt Unternehmen und ist der „erste Schritt auf dem Weg zu einer integrierten Klimaschutzstrategie".

Kompetenznetzwerk für Bilanzierungssystem

Als Projektnehmer und Systembereitsteller hieß auch Stephan Schunkert, Geschäftsführender Gesellschafter der KlimAktiv gGmbH, die Anwesenden der gut besuchten Veranstaltung herzlich willkommen. Er stellte die Partner des Kompetenznetzwerks vor und erläuterte den favorisierten Verbreitungsansatz des „viralen Marketings", d. h. über eine Vielzahl unterschiedlicher Multiplikatoren (Energie- und Klimaagenturen, Energieversorger, Nichtregierungsorganisationen, Unternehmensberater, Offset-Anbieter, Filialisten und sonstige) bekommen Anwender Zugang zu dem Bilanzierungssystem. Dieser Verbreitungsansatz hat sich bereits bei der CO2-Bilanzierung von Privatpersonen bewährt: Mit knapp 300 Multiplikatoren und über 2 Millionen CO2-Bilanzierungen ist der von der KlimAktiv gGmbH entwickelte CO2-Rechner für Bürger DER Standard in Deutschland.

Vorstellung CO2-Rechner und Erfahrungsbericht

Bild Pfaller: Stephan Schunkert, KlimAktiv gGmbH

Direkt weiter ging es mit der Systemvorstellung des CO2-Rechners PRO durch Odette Deuber von der KlimAktiv gGmbH. Der Kick-off des CO2-Rechners PRO erfolgte eingebettet in einen Erfahrungsbericht von Herrn Karrow, dem Klimaschutzbeauftragten des mittelständischen Unternehmens Elobau.

Bild Pfaller: Roland Karrow, Elobau GmbH & Co KG, Odette Deuber, KlimAktiv gGmbH

Das mittelständische Unternehmen Elobau vertreibt mit 530 Mitarbeiter(innen) und einem jährlichen Umsatz von knapp 70 Mio. € Sensortechnologien in 3 Werken an 2 Standorten sowie in 7 Tochterunternehmen weltweit. Das Unternehmen folgt dem strategischen Ziel „denken, handeln, Verantwortung übernehmen". Im Rahmen ihrer „Elobau goes green"-Kampagne wurden bereits 2009 die unternehmensspezifischen Treibhausgasemissionen bilanziert und die nicht vermiedenen Emissionen durch Maßnahmen in Klimaschutzprojekten ausgeglichen. Auf der Suche nach einem transparenten, unkomplizierten und glaubwürdigen CO2-Bilanzierungssystem stieß der Klimaschutzbeauftragte Herr Karrow auf den CO2-Rechner PRO. Seine anfängliche Begeisterung für das System hält bis heute an, er schwärmte insbesondere über die intuitive Bedienbarkeit und die Qualität der Emissionsfaktoren: Ein „Lob aus dem Allgäu" an die KlimAktiv gGmbH und an das im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) geförderte Projekt.

Odette Deuber konkretisierte die Rollenverteilung im Kompetenznetzwerk, das im Rahmen des von der NKI geförderten Projektes aufgebaut worden ist: Die Verbreitung des CO2-Rechners PRO erfolgt dezentral über geschulte Multiplikatoren und ermöglicht einen standardisierten Ansatz der CO2-Bilanzierung, ein Alleinstellungsmerkmal des Projektes. Das für die Zielgruppe der kleinen und mittleren Unternehmen sowie Verwaltungs- und Dienstleistungsbetriebe entwickelte System liefert einen Corporate Carbon Footprint (CCF) nach den Vorgaben des Greenhouse Gas Protocols sowie der ISO 14064-1 und wird derzeit hinsichtlich der Methodologie inkl. der Emissionsfaktoren von der TÜV Nord Cert GmbH geprüft. Online erhielten die Teilnehmer erste Einblicke in die Strukturen und Besonderheiten des Systems.

Standardisierung der CO2-Bilanzierung

Hans Hertle vom Institut für Entwicklung und Umwelt (ifeu) vertrat bei der Veranstaltung die Perspektive der angewandten Wissenschaft. Er machte am Beispiel der CO2-Bilanzierung für Bürger, Unternehmen und Kommunen deutlich, welche grundlegende Bedeutung einheitliche sowie wissenschaftlich fundierte Standards für die Glaubwürdigkeit einer CO2-Bilanz haben, sei es im Bereich Grünstrom, Kraft-Wärme-Kopplung oder bei Ausgleichsmaßnahmen. Die Tatsache, dass der CO2-Rechner PRO die höchsten Ansprüche an eine wissenschaftlich fundierte Bilanzierungsmethodologie erfüllt, zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Projektgeber, Anwender sowie Multiplikatoren machten immer wieder deutlich, wie sehr sie diesen Aspekt des Systems zu schätzen wissen.

Bild Pfaller: Hans Herle, Institut für Entwicklung und Umwelt (ifeu)

Bild Pfaller: Von links nach rechts: Gerd Burkert, Energieagentur Kreis Konstanz; Werner Landwehr, GLS Bank; Thomas Läuger, imug.

CO2-Rechner: Vielfältige Anwendungsfelder

Der CO2-Rechner PRO weist vielfältige Anwendungsfelder auf. Drei Partner aus dem Kompetenznetzwerk (Energieagentur, Nachhaltigkeitsberichterstattung und Bankwesen) stellten ihre Motivation und individuellen Vertriebsstrategien vor. Jeder einzelne Berater steht immer wieder vor der Frage, wie ein Entscheidungsträger im Unternehmen angemessen abgeholt und zur Erstellung eines CCF motiviert werden kann. 

Die Multiplikatoren setzen auf professionelle Beratung und Begleitung von Entscheidungsprozessen. Die GLS Bank und die Energieagentur Kreis Konstanz kombinieren ihre Dienstleistungen mit einem Label für das Unternehmen. Bei der imug Beratungsgesellschaft in der Nachhaltigkeitsberichterstattung hingegen steht insbesondere auch die Generierung von Kennzahlen für die Berichterstattung und für das Benchmarking im Vordergrund.

In der Kaffeepause hatten interessierte Teilnehmer die Möglichkeit, das System CO2-Rechner PRO mit fachkundiger Beratung durch Lorène Schibler von der KlimAktiv gGmbH online am ipad auszuprobieren. Ansonsten boten die Pausen viel Zeit zum Networken.

 

Bild Pfaller: Lorène Schibler, KlimAktiv gGmbH

Podiumsdiskussion: Die Bewertung von Grünstrom in der CO2-Bilanzierung

Nach der Kaffeepause ging es weiter mit einer Podiumsdiskussion zur Frage, wie Grünstrom in der CO2-Bilanzierung bewertet werden soll. Die kürzlich erschienene Studie "Marktanalyse Ökostrom" des Umweltbundesamts schreit förmlich nach einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema. Vielseitig waren die Perspektiven.

Die Abbildung von Grünstrom sowie der „grünen Bahncard" der Deutschen Bahn im CO2-Rechner PRO Release 2.0 traf den Nagel auf den Kopf: Das Podium, und allen voran Dominik Seebach vom Öko-Institut e. V. bewertete die Abbildung als einen „sehr sinnvollen und fairen" Ansatz. Die parallele Ausweisung verschiedener Bewertungsansätze von Grünstrom sowie die Unterscheidung in Kernbilanz und Klimaschutzmaßnahmen ermöglichen die Trennung von CO2-Bilanzierung und energiepolitischer Bewertung von Grünstrom.

Wie sollen sich die erneuerbaren Energien in einen Markt einfügen, der aus seiner Grundstruktur heraus nicht die richtigen Anreize liefert? Wie können sich Effizienzmaßnahmen rechnen, wenn der Energiepreis nicht steigen darf? Suggeriert der Wechsel zu Grünstrom eine Klimaschutzmaßnahme, die sie gar nicht ist? Wo fängt Greenwashing an, wo hört es auf? Wie kann der Berater dem Kunden die Gütediskussion um Grünstrom vermitteln, wenn belastbare Bewertungskriterien fehlen?

Die Podiumsdiskussion warf viele Fragen auf, einfache und allgemeingültige Antworten waren jedoch nicht greifbar. Einigkeit herrschte jedoch auf dem Podium darüber, dass man „sich den Fragen stellen muss": Es besteht Bedarf für einen Diskussionsprozess in Deutschland, angepasst an die Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene.

Der Link zum Klimareporting

Erik Pfauth vom CDP war der „Leidtragende" der etwas zu lang geratenen, aber dafür umso spannenderen Podiumsveranstaltung über Grünstrom. Mit Humor verzichtete er angesichts der vielen knurrenden Mägen im Raum auf die detaillierte Vorstellung des im Februar 2014 erschienenen Klimareporting-Leitfadens und verwies auf dessen Lektüre. Der vom WWF und CDP entwickelte und von der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderte Leitfaden (www.klimareporting.de) bietet eine hervorragende Einführung in das weite Feld des Klimareportings, in dessen Kontext das System CO2-Rechner PRO zukünftig bei kleinen und mittleren Unternehmen eine wichtige Rolle einnehmen wird.

Schlusswort

Bild Pfaller: Erik Pfauth, CDP

Stephan Schunkert von der KlimAktiv gGmbH ergriff erneut das Wort und resümierte: Ein Kompetenznetzwerk ist etabliert und mit anderen Initiativen synergetisch verknüpft; ein standardisiertes Bilanzierungssystem für kleine und mittlere Unternehmen ist entwickelt, nun geben wir den Startschuss für die Verbreitung des Systems. Er gab sich zufrieden: Die Resonanz bei der Veranstaltung zeige, dass die KlimAktiv gGmbH mit dem CO2-Rechner PRO auf dem richtigen Weg ist.

 

Die Präsentationen zum Nachlesen finden Sie hier:

Hans Hertle, Institut für Energie und Umweltforschung Heidelberg GmbH
Odette Deuber, KlimAktiv gGmbH
Gerd Burkert, Energieagentur Kreis Konstanz
Thomas Läuger, imug Beratungsgesellschaft
Stephan Schunkert, KlimAktiv gGmbH (Bewertung von Grünstrom in der CO2-Bilanzierung)
Stephan Schunkert, KlimAktiv gGmbH (Ausblick)

 

 

 

Quelle: KlimAktiv gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung des Klimaschutzes mbH / 10.04.2014

© Bild Pfaller: Von links nach rechts: Udo Sieverding, Verbraucherzentrale NRW; Dominik Seebach, Öko-Institut e. V.; Peter Westenberger, Deutsche Bahn AG Umweltzentrum; Guido Axmann, Thema 1 (Moderator); Sebastian Sladek, Elektrizitätswerke Schönau; Dr. Aleksandra Drewko, EHA Energie-Handels-Gesellschaft mbH & Co. KG 

© Bild Pfaller: MinDirig Franzjosef Schafhausen 

© Bild Pfaller: Stephan Schunkert, KlimAktiv gGmbH 

© Bild Pfaller: Roland Karrow, Elobau GmbH & Co KG, Odette Deuber, KlimAktiv gGmbH 

© Bild Pfaller: Hans Herle, Institut für Entwicklung und Umwelt (ifeu) 

© Bild Pfaller: Von links nach rechts: Gerd Burkert, Energieagentur Kreis Konstanz; Werner Landwehr, GLS Bank; Thomas Läuger, imug. 

© Bild Pfaller: Lorène Schibler, KlimAktiv gGmbH 

© Bild Pfaller: Pausengespräche 

© Bild Pfaller: Erik Pfauth, CDP

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