Meilenstein: KlimAktiv erstellt Product Carbon Footprint für Sattelauflieger

CO2-Fußabdruck von Produkten

KlimAktiv meldete Ende September, dass man einen Product Carbon Footprint (PCF) für einen Sattelauflieger des Trailerherstellers Burg Silvergreen erstellt hat. Was ist neu daran? Welchen Nutzen verspricht man sich davon und wie sind die Perspektiven? Darüber hat sich die Redaktion mit Stephan Schunkert, dem Geschäftsführer der gemeinnützigen KlimAktiv unterhalten.


Stephan Schunkert, KlimAktiv (li) und Stefan Oberdörfer, BSG (re) Bild: Burg Silvergreen/Stefan Bauer

 

Stephan Schunkert Geschäftsführender Gesellschafter KlimAktiv

Herr Schunkert, Sie haben den Carbon Footprint für einen Sattelaufleger erstellt. Was ist daran so neu?

Schunkert: Bisher kannte man den PCF, also den CO2-Fußabdruck für ein einzelnes Produkt, vor allem aus dem Verbraucherbereich. In Deutschland werden diese Berechnungen vereinzelt für Kaffee, Tiefkühlprodukte oder Drogeriemarktartikel durchgeführt. Ein Investitionsgut wie dieser Trailer ist ein sehr viel größeres und komplexeres Produkt und gehört zudem noch zu einer ganz anderen Branche.

Aber die Logistik-Branche bemüht sich doch seit langem um klimaneutrale Transporte? Da tut sich doch viel?

Schunkert: Richtig. Klimabewusste Transportdienstleistungen sind ein großes Thema, hier tut sich viel. Mit der Berechnung der Rohmaterialien und der Fertigungsprozesse eines Trailers hat man aber dennoch Neuland beschritten, da die hierbei entstandenen Emissionen vor der Nutzungphase, also den Transportdienstleistungen anfallen. Verantwortlich hierfür ist der Hersteller und nicht der Spediteur.
Und da könnte es durchaus Signalwirkung haben, dass das erste Produkt einen PCF hat.

Aber betreibt denn nicht jedes Unternehmen, das auf sich hält, Klimaschutz?

Schunkert: Na ja, wir haben da schon noch Handlungsbedarf, das wissen wir aus unserer täglichen Arbeit. Entscheidender ist aber ein anderer Aspekt: Durch eine Bilanzierung erhält das Unternehmen – so wie jetzt Burg Silvergreen – Aufschlüsse über den klimabezogenen Status in der Wertschöpfungskette. Die Key-Points des Klimaschutzes lassen sich identifizieren, die Maßnahmen im Bereich Klimaschutz werden transparent. Kurz gesagt: Ein Unternehmen kann wirkungsvollen Klimaschutz betreiben.

Und damit kann das Unternehmen nun werben?

Schunkert: Ja und gerade wegen der Transparenz ist das auch legitim. Wichtig ist aber ein weiterer Aspekt: der Kunde kann auf Grund dieser Analyse sehr viel zielgerichteter Optimierungen vornehmen. Dabei wird das Unternehmen natürlich auch seine Vorlieferanten in die Pflicht nehmen, das löst eine Kettenreaktion aus.

Nachdem Sie den Herstellungsprozess genau unter die Lupe genommen haben: wie hoch schätzen Sie denn das Optimierungspotential ein?

Schunkert: Die Fertigungsprozesse von Burg Silvergreen und den Partner Unternehmen sind für den von uns untersuchten Trailer schon sehr gut optimiert. Diese Prozesse konnten aufgrund der Markteinführung direkt auf den „neuesten Stand“ eingeführt werden. Das Optimierungspotential sehen wir nun vorwiegend bei den Zulieferern und für weitere Fahrzeugtypen von Burg Silvergreen, welche aber noch bilanziert werden müssten.

Apropos Bilanzierung – welchen PCF hat denn nun der Sattelauflieger von Burg Silvergreen?

Schunkert: Insgesamt fallen bei der Produktion dieses Trailers 27,3 Tonnen CO2-Äquivalent an. Das ist so viel wie eine dreiköpfige Familie in Deutschland ungefähr durchschnittlich per anno verbraucht. 

Burg Silvergreen weiß aber durch unsere Analyse noch viel mehr. Die Berechnung nach dem anerkannten Standard PAS2050 umfasst alle direkten, indirekten sowie vorhergehende Emissionen und bezieht sich auf die Materialherstellung, Fahrzeugproduktion und Logistik (Cradle to Gate). So weiß man für das konkrete Produkt, dass der Anteil des Fertigungsprozesses seitens Burg Silvergreen nur rund 2% ausmacht oder dass die nicht von Burg Silvergreen produzierten Teile einen 5mal höheren Anteil am Footprint haben, als die eigen produzierten.

 

Sie waren auf der IAA für Nutzfahrzeuge in Hannover vor Ort und haben rund um den PCF informiert. Wie aufgeschlossen zeigten sich denn die Besucher der Messe, die ja vorwiegend aus der Logistikbranche kommen?

Schunkert: Eine solche Umsetzung war für viele Besucher neu und somit auch die Neugier groß, etwas mehr zu erfahren. Interessant war vor allem, dass viele Interessenten fragten, welcher Aufpreis für einen klimabewussten Trailer zu zahlen ist. Man betrachtet dieses Feature gerne als Sonderausstattung, was es aber nicht ist. Im Gegenteil: optimierte Fertigungs- oder Logistikprozesse müssen für den Anbieter nicht unbedingt teurer sein.

Sie bezeichnen die Arbeit an diesem PCF als Meilenstein. Warum?

Schunkert: KlimAktiv hat sich als gemeinnützige Gesellschaft der Bewusstseinsbildung im Klimaschutz verschrieben. Mit diesem PCF stoßen wir in neue Bereiche vor. Klimaschutz beginnt im Kopf, auch bei Unternehmen. Und da ist der Fußabdruck für einen Sattelauflieger ein Beispiel, wie sich die Interessen von Unternehmen und der Schutz des Klimas elegant verbinden lassen.

 

 

 

Quelle: KlimAktiv gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung des Klimaschutzes mbH / Brigitte Zügel / 05.10.2012

© Bild: Burg Silvergreen/Stefan Bauer

© Bild: Trailer Burg Silvergreen

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